38 Ausgabe Kleine Beiträge zur Geschichte von Obergünzburg

38# Kleine Beiträge zur Geschichte von Obergünzburg von 1920

Diese Beiträge werden von der Heimatgemeinde Obergünzburg als gelegentliche Früchte ihrer Arbeit veröffentlicht. Sie sollen in zwangloser Folge fortgesetzt werden.


Der Schwedenkrieg in der Umgebung von Obergünzburg

Die alte Landstraße zwischen Lenzkeller und Immenthal, die südlich der heutigen Straße noch als flache Mulde in den Äckern sichtbar ist, bestand 1799 noch neben der neuen Landstraße fort, wie ein Plan der Vereinödung von Obergünzburg (Nr. 110) zeigt. Sie scheint hier die Gewanne zu zerteilen. Der von der Straßenkapelle gegen das Eschach hinziehende, durch die Vereinödung etwas verlegte Weg heißt Mühlweg.

Der Schwedenkrieg in der Umgebung von Obergünzburg

Die Geistlichkeit, so wurde oft behauptet, sei in den Kirchen versteckt gewesen, während die schwedischen Soldaten plünderten und zerstörten. Unter dieser Bedrohung wurde Abt Wollfurth gezwungen, erneut kaiserliche Soldaten anzufordern, um die Bedrohung abzuwehren. Dies führte jedoch zu noch größerer Verbitterung im Kloster. Als schließlich die Schweden den Vorteil errangen, setzten die verbündeten Kemptener ihren langjährigen Groll in die Tat um und zerstörten das Kloster.

Mai 1632: Die Zerstörungen durch schwedische Truppen

Im Mai 1632 musste die Grafschaft Kempten verschiedene Abgaben und Lieferungen leisten, sowohl an Memmingen als auch an Kempten. Jeder schwedische Offizier verlangte mehr: So wurden große Mengen an Hafer, Rindern, Tausende von Talern, Butter, Hennen, Eiern, Korn, Heu und Stroh gefordert. Die Bauern wurden schutzlos ausgeplündert. Wenn sie nicht gehorchten, drohten die Soldaten mit dem Schwert und Brand.

Täglich zogen marodierende Truppen durch die Dörfer, brachen in Häuser ein, zerstörten Truhen und Fenster, stahlen Pferde und zwangen die Bauern, diese gegen hohe Summen zurückzukaufen. Selbst wenn nur ein einziger schwedischer Soldat in einem Dorf auftauchte, musste die gesamte Gemeinde ihm huldigen und ihm alles geben, was er verlangte: Salat, Eier, Schmalz, Gebratenes und Gebackenes sowie Wein. Wenn sie es wagten, Widerstand zu leisten, wurde ihr Eigentum verbrannt.

Viele alte und fromme Menschen wurden niedergeschlagen, enthauptet oder erschossen. Frauen und Mädchen wurden entehrt, teils getötet oder verschleppt. Dies war das schwedische Leben, das die Bevölkerung in diesen Wochen ertragen musste. Ein schwedischer Offizier ritt von Memmingen über Kempten, Haldenwang, Berwang, Untrasried und Liebenthann, um sich über das Verhalten der untertänigen Bevölkerung zu informieren.

Der Widerstand bei Liebenthann

In Liebenthann hatten sich zu dieser Zeit rund 100 kaiserliche Soldaten verschanzt. Sie holten Kanonen aus Füssen, um sie nicht den Schweden zu überlassen, und verteidigten sich tapfer gegen schwedische Angriffe. Die Schweden schossen auf den Stadl (Getreidespeicher) und setzten ihn in Brand. Ein Pferd wurde erschossen, doch die Verteidiger konnten den Angriff abwehren.

Nach diesem Gefecht zog der schwedische Offizier weiter nach Ottobeuren, dann zurück nach Memmingen. In dieser kurzen Zeit zerstörten die Schweden mehrere Dörfer, darunter auch das Dorf Steeg, das am Montag dieser Woche niedergebrannt wurde. Schließlich wurde auch die Stadt Kempten von schwedischen Soldaten besetzt.

(Fortsetzung folgt.)



38 Ausgabe Kleine Beiträge zur Geschichte von Obergünzburg
38 Ausgabe Kleine Beiträge zur Geschichte von Obergünzburg
Quelle:  Obergünzburger Tagblatt erschienen am 05.07.1920

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